Eigenverantwortung
Es gibt zwei Arten, in einem Team zu arbeiten. Die eine wartet: auf das Briefing, die Freigabe, den Moment, in dem jemand merkt, dass etwas schiefläuft. Die andere handelt. Sie sieht die Lücke und füllt sie. Sie sieht den Fehler und benennt ihn.
Als kleines Team sind wir auf letzteres angewiesen. Eine Werkstatt funktioniert nur, wenn jede:r die eigene Bank in Ordnung hält und gleichzeitig sieht, was nebenan passiert. Dieser Artikel ist unser gemeinsamer Standard für proaktives Arbeiten – kein Regelwerk, das du abarbeitest, sondern ein Versprechen, das wir uns gegenseitig geben.
Eigenverantwortung auf zwei Beinen.
Das eine: Jede:r trägt das eigene Rollenbild. Du verantwortest deinen Bereich – inhaltlich, zeitlich, qualitativ. Nicht „wie hättest du es gerne gehabt", sondern „so habe ich es gemacht, aus diesem und jenem Grund – siehst du etwas, das ich übersehen habe?"
Das andere: Alle tragen das gemeinsame Ziel. Jede:r ist Korrektiv für die jeweils anderen Rollen. Du schaust nicht weg, wenn etwas außerhalb deines Bereichs nicht trägt. Du schaust hin und sagst es, unabhängig deiner Kompetenz.
Das gemeinsame Korrektiv
Ein Korrektiv ist kein Kontrollorgan. Es ist ein Schulterblick. Du bist nicht da, um die Arbeit der anderen zu bewerten, sondern um sie besser zu machen – mit dem, was nur du aus deiner Profession heraus siehst oder einfach nur, weil den Blick frischer ist. Als Teil eines Projektteams trägst du Mitverantwortung für das gemeinsame Ergebnis und weist aktiv auf Probleme oder Lücken hin.
Konkret: Wenn dir etwas auffällt, sag es sofort, direkt, konstruktiv. Warte nicht auf den nächsten Check-in, nicht darauf, dass es jemand anderes bemerkt, und vor allem nicht darauf, dass es „von oben" auffällt. Wenn das für dich nach Reibung klingt: Ist es auch. Aber es ist die produktive Art, aus der bessere Arbeit entsteht. Stilles Aushalten ist keine Loyalität. Es ist das Gegenteil.
Die Rollen und ihre Verantwortung
Jede Rolle trägt einen eigenen Teil des Ganzen. Hier ist, was wir voneinander erwarten dürfen.
Projektmanagement – Briefing, Ablauf, Feedback-Loop
Als PM sorgst du für einen reibungslosen und transparenten Projektverlauf. Mit dem Briefing skizzierst du eine klare Vision des Projekts, die allen Beteiligten Klarheit über Ziel und ihre Rolle verschafft. Die dafür nötigen Informationen forderst du aktiv bei den Kund:innen ein. Du überwachst und koordinierst den Ablauf – und du initiierst nach dem Projekt einen Feedback-Loop, der alle einbezieht.Konzeption – Substanz, Logik, Klarheit, Effizienz
Als Konzepter:in verantwortest du die substanzielle Grundlage des Projekts. Du sorgst dafür, dass sich die darauf aufbauenden Schritte logisch begründen lassen und nachfolgende Rollen effizient arbeiten können. Deine Konzeption ist so klar aufbereitet, dass ihre Essenz verstanden wird, ohne in die Tiefe deiner Auseinandersetzung abtauchen zu müssen. Auch nach der Übergabe achtest du darauf, dass die Umsetzung dem Konzept treu bleibt.Text – Narrativ, Stimme, Klarheit der Botschaft
Als Texter:in verantwortest du die Sprache des Projekts. Bei uns folgt Form der Narration – also trägst du das Narrativ, das alles andere zusammenhält. Du sorgst dafür, dass jede Botschaft klar, konsistent und in unserer Stimme erzählt ist, statt nur Lücken zu füllen. Und du erkennst, wenn die Konzeption keine tragfähige Erzählung hergibt – dann forderst du diese Grundlage aktiv ein, bevor du schreibst.Gestaltung – Stilistik, Konsistenz, Qualität
Als Gestalter:in verantwortest du die Kreation und Umsetzung der konzeptionellen Vision. Du ziehst Stilistik, Konsistenz und Qualität durch die gesamte Gestaltung. Und du erkennst, wenn die Konzeption keine klare Grundlage für deine Arbeit liefert – dann forderst du diese aktiv bei den Verantwortlichen ein.Coding – Umsetzung, Performance, Beständigkeit
Als Entwickler:in verantwortest du, dass die Gestaltung den Sprung in die technische Umsetzung übersteht – ohne dabei an Qualität zu verlieren. Du achtest auf Performance, Barrierefreiheit und saubere Umsetzung, damit das, was wir bauen, nicht nur heute gut aussieht, sondern trägt. Und du erkennst früh, wenn ein Entwurf technisch nicht aufgeht oder eine Idee in der Umsetzung kippt – dann sprichst du es an, bevor es gebaut wird, nicht danach.
Warum wir das so halten
Wir wollen eine Werkstatt sein, keine Fabrik. Klein genug, um jedes Projekt zu durchdringen. Groß genug, um unterschiedlichste Anforderungen im Team lösen zu können. Und das geht nur, wenn nicht eine Person alles trägt, sondern jede:r das Eigene – und alle das Ganze.
Eigenverantwortung ist kein Mehraufwand, der oben drauf kommt. Sie ist die Grundlage dafür, dass aus losen Enden ein gemeinsames Ziel wird. Unsere Werte in gelebter Form, in der „First ask why" und „Done. Perfect. Perfectly done." im Alltag tatsächlich passieren. Du musst nicht warten, bis dir jemand den Raum gibt. Der Raum ist schon da. Füll ihn.
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