Designkritik

7 Minuten

Felix

Konrad

Kultur

Design-Kritik macht uns besser. So wie Peer-Review die Wissenschaft voranbringt, bringt Kritik unser Design auf das nächste Level. Hier sind unsere Gedanken und Tipps, wie wir gemeinsam starke Kritik-Sessions im Team gestalten:

Qualität als Ritual

Kritik ist unser wichtigstes Werkzeug, um die Qualität unserer Arbeit zu steigern. Ein sicherer, produktiver Raum, in dem wir offen diskutieren, verbindet uns als Team und reduziert Risiken. Die Kritik-Runde ist Pflichttermin: Wir bringen immer Arbeit mit und leben Offenheit vor.

Alle Stimmen zählen

Jede Meinung zählt, unabhängig von Erfahrung oder Rolle. Wir sind ein diverses Team: ob Produktdesigner, Content-Designer, User Researcher oder technische Redakteure, alle sind dabei. Wir sorgen für eine Atmosphäre, in der Bauchgefühl und Intuition willkommen sind und niemand sich verstellen muss.

Eine starke Feedback-Kultur

Kritik kann sich anfühlen wie „die Wand“ im Kunststudium: Alle legen ihre Arbeit offen, aber es geht nie um persönliche Angriffe, sondern um konstruktives Feedback. Wir nehmen auch schwierige Rückmeldungen an, bedanken uns und reflektieren sie gemeinsam. Diskussion und Dialog stehen im Mittelpunkt.

Die Skala der Kritik

Nicht jede Kritik hilft gleich stark. Wir nutzen eine einfache Skala (angelehnt an Paul Grahams Disagreement Hierarchy), um Feedback am Kern der Arbeit zu halten. Nicht an Person oder Ton.

  • Stufe 0: Beleidigung. „Das ist Mist.“ Hilft niemandem.

  • Stufe 1: Person. „Der Designer hat keine Ahnung.“ Greift Menschen an, nicht die Arbeit.

  • Stufe 2: Nur den Ton. „Das klingt arrogant.“ Sagt wenig über die Idee.

  • Stufe 3: Bloßes Gegenteil. „Nein, so nicht.“ Ohne Begründung schwer nutzbar.

  • Stufe 4: Widerspruch mit Begründung. „Das funktioniert so nicht, weil die Zielgruppe X braucht.“ Erste Stufe, die wirklich weiterbringt.

  • Stufe 5: Konkrete Stelle widerlegen. Eine klare Passage oder Entscheidung benennen und erklären, warum sie nicht trägt.

  • Stufe 6: Den Kern treffen. Den zentralen Claim der Richtung zusammenfassen und gezielt dagegenhalten. Das ist die stärkste Form von Kritik: am eigentlichen Punkt, mit Substanz.

Je höher auf der Skala, desto brauchbarer das Feedback, und desto weniger persönlich wird es. Ziel ist nicht, recht zu haben. Ziel ist, die Arbeit schärfer zu machen.

Offener Austausch

Alles kann zur Kritik-Runde kommen, vom ersten Entwurf bis zum fertigen Design. Wir halten den Kontext kurz und klar, damit wir uns auf das Wesentliche konzentrieren. Kommentare außerhalb des Fokus sind erlaubt und oft hilfreich.

Geschmack gemeinsam schärfen

Unser Geschmack wächst mit Erfahrung. Je mehr wir sehen und erleben: Design, Kunst, Musik. Desto besser können wir Feedback geben. Wir trainieren unser Bauchgefühl und unsere Beobachtungsgabe, um gemeinsam weiterzukommen.

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